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Edith Wittich #5

Mai 23

 

Spektrale – Aus dem Meer des Überflusses – Auf der Straße gefundene blaue Plastikteile (siehe Blau – Text, Beginn Wendezeit).

 

Aus dem Meer des Überflusses

Die Abfälle in den Straßen Ostdeutschlands häuften sich nach dem Mauerfall 1989 erheblich. Das graue Straßenbild wurde belebt, denn die neuen Abfallprodukte waren farbenfroher. Eine besonders auffällige, immer wiederkehrende, erfrischende Farbe, die
mich unter allen anderen anzog, war Blau.
Wie Edelsteine sprachen mich die ersten Fundstücke auf der Staße an, waren formschön als Verschluss, Verpackung, Fläschchen und etliches mehr. Was anfänglich eine nette Begebenheit war, sollte sich öfter wiederholen. Aus meinem äußersten Blickwinkel gab es Signale wenn ich auf der Straße lief, die da lauteten; was war das;
und der Blick richtete sich auf etwas Blaues. Allmählich nahm ich auch Bruchstücke mit, die so schön blau leuchteten. Manchmal sah ich dem Fundstück an, nachdem ich es in der Hand hielt, dass es vom Drüberweglaufen und Fahren arg gekennzeichnet war. Es
ist nicht so interessant u. schön wie die anderen, dachte ich und warf anfänglich so etwas wieder fort, sah noch mal hin und empfand es doch leuchtend in seinem Blau auf dem Boden. Also nahm ich es mit. Aus dem ersten, kleinen blauen “Plastikedelstein” in
meinem Regal wurde nach und nach ein größerer, der sich aus der Summe der vielen Einzelteile ergab. Ob glatt oder abgeschabt, ganz oder kaputt, groß oder klein, alles fügte sich in dem blauen Sog zusammen.
Langsam musste das Regal geräumt werden, um dem zunehmenden Blau eine größere Behausung zu bieten. Blaue Kisten gehören nun auch zu den Trophäen, die gefüllt mit Blau, gestapelt neben blauen Säcken mit gleichem Inhalt stehen, welche jetzt auch größere blaue Plastikfundstücke beinhalten.
Was soll mit diesem magischen blauen Zauber geschehen, der in vielen Jahren zu einem Berg gewachsen ist. In meiner künstlerischen Eigenart hebe ich nicht alles auf, aber wo ich das Gefühl habe, einer interessanten Form, Farbe oder Material zu begegnen, lege ich es bei mir ab, oft in mein Umfeld, dass ich es sehe und in Gedanken oder mit den Augen damit spielen kann. Vielfach sind daraus irgendwelche Gebilde (Objekte, Bilder, Ideen) entstanden, die es ohne der Anwesenheit ihres Materials in meiner Nähe nicht geworden wären. Der spielerische Umgang dann mit den blauen Fundstücken in der Natur, ließ mich die Wirkungsweise dieser
unterschiedlichen Formen erfahren, die alle etwas gemeinsam haben, das Blau, und das im großzügigen Raum dem Garten.
Hier werden einige Umsetzungen und Möglichkeiten gezeigt. Die vielfach temporären Gestaltungen werden sich von mal zu mal verändern. Blau ist das alles Verbindende dieser Erde und darüber hinaus.
Es ist der Himmel, das All, sie sind blau und ihr Spiegel ist das Meer.
Blau ist die Dämmerung, der Schatten, die Nostalgie, mein inneres Licht.
Denke ich blau, so spüre ich Luft, Wasser, Frische, Klarheit, Weite.
Diese Dinge des Kosmos, so will ich sie nennen, habe ich sie vor der Nase, sind sie nicht greifbar, durchsichtig und ergeben in ihrer Dichte doch eine Farbe, Blau.
Feinstofflich ist diese Eigenschaft.

 

Edith Wittich

 

www.edithwittich.de

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Datum:
Mai 23